Jungzüchterclub OA-Nord
 


 

 

 

 

Gemeinsam lernen am Plantahof
Erster gemeinsamer Lehrgang der Allgäuer Jungzüchter mit Schweizer Kollegen
 
Jungzüchter sind viel unterwegs. Sei es für Vorträge, Kameradschaften oder auch speziell für Viehschauen – und dort können auch Kontakte geknüpft werden. So auch auf der letzten IGBS Schau in der Schweiz. Nach kurzer Zeit war klar, dass die Jungzüchter aus dem Oberallgäu und Graubünden sich wieder sehen müssen.
 
 Gesagt. Getan. So fuhr der JZC Oberallgäu Nord auf Einladung aus Graubünden vom 20. bis 22. Oktober in die Schweiz. Wichtig war beiden Vereinigungen das man zusammen Spaß hat, diskutieren und was voneinander lernen kann. Und das nur von den Besten Leuten am wohl interessantesten Vorzeigebetrieb der Schweiz – dem Plantahof.
 So organisierten die Schweizer am Samstag folgende Punkte für einen Lehrgang. Styling – Vorführen – Schaurichten. Alles Aufgaben denen die Jungzüchter immer wieder begegnen.
 
 Wie denkt ein Schaurichter im Ring? Diese Frage stellten sich schon viele. Andreas Walser, der schon die Bruna gerichtet hat, beantwortete sie für uns ausführlich. Deshalb wurde für Schauatmosphäre gesorgt. Sieben Kühe aus dem Bestand des Plantahofes im Ring und die Jungzüchter mittendrin. Die Aufgabe: „Reiht die Kühe und gebt dann zu jeder einen Kommentar über eure Entscheidung!“ so Walser. Hört sich leicht an, war es aber nicht. Jetzt konnte jeder sein Glück versuchen und gemeinsam wurde diskutiert welche Kuh auf welchen Rang gehört. Die ausgeglichene Gruppe machte es uns nicht leicht, aber dafür konnten wir umso mehr dabei lernen und den richtigen Blick fürs Vieh schärfen.
 
 Die Kuh muss richtig präsentiert werden! Aber wie wird es professionell gemacht? Wann wirkt meine Kuh im Ring wie eine Siegerkuh? „Wenn man überzeugt ist das meine Kuh die Beste ist!“ So spornte uns Simon Gfeller bei der nächsten Station an. Das professionelle Vorführen im Schauring und was beim Show-Man-Ship zu beachten ist. Völlig locker brachte er uns bei wie wichtig der Abstand im Ring ist, wie die Kuh richtig geführt wird ohne den Blick des Schaurichters zu verdecken. Und was noch wichtiger ist, wie man den Richter immer im Auge behält um im richtigen Moment mit der vorgeführten Kuh perfekt zu stehen. „So werden Siegertiere gemacht!“ Das konnten wir dann auch gleich selbst im Ring umsetzen und merkten ziemlich schnell, dass viel Übung auch eine große Rolle spielt um im Ring Zeit zu sparen, aber dennoch perfekt zu glänzen.
 
 Das perfekte Styling gehört zu jeder Schau. Und wie es perfekt wird kann man nur von den Besten lernen. Deshalb scharten sich alle aufmerksam um Edwin Steiner, einer der Besten in seinem Fach in der Schweiz. Aber auch seit einigen Jahren auch eine gefragte Person in den USA wenn Madison alle Jahre lockt. Sein Handling mit den Scheermaschinen war beeindruckend. Und so konnten wir noch einige Tricks von ihm abschauen. Sehr beeindruckend war es wie man mit verschiedenen Messern den gewünschten Effekt ins Haarkleid der Kuh schneiden kann. Auch der ruhige Umgang mit dem Tier gehört zu einer perfekten Schur dazu. Viel Fingerspitzengefühl war dann bei der Topline von ihm verlangt. Aber für einen Profi wie ihn war sie in ein paar Minuten gestylt – da konnten wir alle nur staunen.
 
 Wenn die Jungzüchter eine Reise machen, dann müssen sie natürlich auch viel anschauen. So standen auch einige Betriebe auf dem Programm. Zwischen den Lehrgängen wurden wir von Herrn Brandenburger durch den Plantahof geführt. Er erklärte uns ausführlich welche Aufgaben auf dem Betrieb mit Lehrgängen und Schulausbildung zu bewältigen sind. Sehr interessant war auch wie die Leistungsstarke Herde geführt wird. So sind die knapp 80 Tiere in zwei Herden aufgeteilt, in eine Leistungs- und eine Raufutterherde. Sehr beeindruckend war die Monopoly Tochter Gräfin. Sie setzte mit 80,1kg Milch in die 5. Laktation ein und gibt jetzt im siebten Probemelken immer noch 63,8kg am Tag. Auch die anderen Kühe präsentierten sich kurz vor dem Melken in einem super Zustand.
 
 Samstagabend war dann Erfahrungsaustausch zwischen den Allgäuer und Bündnern Jungzüchtern angesagt. Zur Einstimmung ging es aber erst mal die längste Sommerrodelbahn Europas bei Nacht hinunter. Nach der turbulenten Fahrt freuten sich alle auf ein gemütliches Abendessen mit einem typischen Käsefondue in dem nahe gelegenen Bergrestaurante. Dort wurde fleißig diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und gesungen. Ein wirklich toller Abend der für einige noch lange dauerte.
 
 Am Sonntag waren alle zuerst auf den Betrieb der Familie Boner in Malans zum Frühstück geladen. Nachdem wir uns gestärkt haben zeigte uns Ernst Boner seinen Betrieb. Die 40 Kühe finden in dem neuen Tretmiststall ihren Platz. Aber bei dem schönen Wetter sind sie alle auf der nahen Weide. So marschierten wir los um die Tiere genauer zu begutachten. Trotzdem dass die meisten Tiere im Sommer auf einer Alpe sind hat die Herde eine beachtliche Leistung von 8.600kg Milch bei 4,2% Fett und 3,6% Eiweiß. Auch konnten wir uns von dem guten Exterieur der Tiere überzeugen, denn die Tiere präsentierten sich vor einer malerischen Bergkulisse.
 
 Gegen Mittag ging es dann nach Chur zum Betrieb von Fritz Mani Halbmil. Er war 2005 Bündner Betriebsmeister und hat sehr starke Exterieur und Euterkühe in seinem Bestand. Auch diese Kühe waren auf der Weide und wurden von uns Jungzüchtern aufgesucht. Im Sommer sind knapp 80% der 35 Kühe auf einer Alpe. Zurzeit liegen die Tiere bei 8.500kg Milch bei 4,0% Fett und 3,5% Eiweiß. Sehr stark ist der Stier Collection in seiner Herde vertreten. Das macht sich vor allem in den Top Eutern bemerkbar. Da kamen die jungen Leute nicht mehr aus dem staunen heraus.
 
 Nach dem Mittagessen auf dem Betrieb mussten wir leider wieder Abschied nehmen. Von einem Wochenende mit vielen atemberaubenden Eindrücken. Angefangen von einem sehr lehrreichen Lehrgang auf dem Plantahof über die tolle Gastfreundlichkeit der Bündner Jungzüchter bis hin zu der berauschenden Bergkulisse der Schweizer Alpen. Eins ist aber sicher, die Allgäuer freuen sich schon auf einen Gegenbesuch - hoffentlich schon bald!
 
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